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Welche Spritzen passen zum Insulin?
Kann ich mit dem Pen spritzen?
Wohin muss ich meine Katze spritzen?
Wie sieht die Spritztechnik genau aus?
Was wenn ich nicht sicher bin, ob ich daneben gespritzt habe?
Kann ich die Spritzen mehrmals verwenden?
Warum werden keine oralen Antidiabetika (Tabletten) verwendet?

Welche Spritzen passen zum Insulin?

Es gibt 40er und 100er Insulin - mit den jeweils dazu passenden Spritzen. Dabei ist 1 IE eines 100er-Insulins exakt 2,5 Mal so stark wie die eines 40er Insulins. Deshalb ist es wichtig, die Spritzen nur zum passenden Insulin zu verwenden...

Mit einer Ausnahme: Wenn Sie ein 40er Insulin benutzen, also z.B. Caninsulin, ist es sogar von Vorteil, die „falschen“ 100er-Spritzen dafür verwenden. Denn durch diese haben Sie die Möglichkeit, das 40er-Insulin um den Faktor 2,5 mal genauer zu dosieren: Statt einer Einheit ziehen Sie hier 2,5 IE auf. Statt einer halben Einheit 1,25 IE. Und selbst die viertel Einheit, also 0,25 IE, werden hier noch gut kontrollierbar, denn auf einer 100er-Spritze sind das noch 0,6 IE (rein rechnerisch 0,625 - aber das ist praktisch nicht umsetzbar).

Kontrollieren Sie die Richtigkeit dieser Aussage, in dem Sie die gleiche Menge Insulin in beiden Spritzen-Typen aufziehen und diese dann jeweils auf ein Löschblatt nebeneinander tropfen lassen. Sie werden sehen, die entstehenden nassen Flecken sind gleich groß.

Oben: 1 IE Caninsulin in der 100er Insulinspritze.
Unten: 1 IE Caninsulin in der 40er-Insulinspritze.
Auf dem rechten Bild beide Flüssigkeitsmengen auf einem Löschblatt neben der jeweiligen Spritze. Die Flüssigkeitsmenge ist gleich groß.

Wundern Sie sich allerdings nicht, wenn Ihr Tierarzt diesen Trick noch nicht kennt. In Fachbüchern findet man ihn bisher nicht. Selbst die geeigneten Demi-Spritzen (Spritzen mit Skalierung bei halben Einheiten) sind oft nicht bekannt. Viele Tierärzte bestehen deshalb darauf, dass zum Caninsulin nur 40er Spritzen verwendet werden dürfen. Da eine genauere Dosierung mit ihnen unmöglich ist, werden Dosisanpassungen in Fachbüchern meist in 0,5 IE- oder gar 1,0 IE-Schritten empfohlen :-( . Dies ist jedoch nicht ratsam, denn die Toleranzgrenze beim Insulin ist viel, viel geringer als bei anderen Medikamenten. Benötigt der Patient 0,75 IE und erhält 1,0 IE reguliert er häufig gegen. Erhält er dagegen nur 0,5 IE stagnieren die Werte. (Siehe: Wie schnell und oft darf die Insulindosis erhöht oder erniedrigt werden? und Was versteht man unter einer Gegenregulation?)

Unrichtig ist auch, dass 40er-Insulinspritzen nur beim Tierarzt erhältlich sind. Erst kürzlich flatterte uns die mit „Klinischer Wegweiser“ beschriftete Broschüre eines großen Futtermittelherstellers zum Thema Diabetes mellitus ins Haus. In dieser „Information“ - wohlgemerkt für Fachpublikum(!)- heißt es wörtlich:
„ACHTUNG: In Apotheken gibt es nur U100-Spritzen für die Humanmedizin!“
Ein Blick in jede größere Online-Versandapotheke beweist das Gegenteil... Und einen Hinweis darauf, dass man mit 100er-Demi-Spritzen Caninsulin viel genauer dosieren kann, diese also sogar besser geeignet sind, sucht man auch hier vergebens... wie vieles andere auch :-(

Bei einem 100er Insulin hat man leider keine Möglichkeit, um den Faktor 2,5 genauer zu dosieren. Hier muss man sich anderer Hilfsmittel bedienen. Seit einiger Zeit gibt es aber Spritzen, die auch bei halben Einheiten einen kleinen Skalierstrich haben und somit eine große Hilfe bei der genauen Dosierung sind. Sie sollten für die Katze deshalb ausschließlich die so genannten BD Micro-Fine + demi Spritzen verwenden (PZN: 4144150). Der Begriff „demi“ steht hier für die halbe Einheit. Achten Sie bitte darauf, dass Sie nicht versehentlich die BD Micro-Fine ohne „demi“ ordern.

Micro-Fine + demi Spritzen: Verpackung und Gebrauchsanweisung

Wichtig: Benutzen Sie aber bitte niemals eine 40er Spritze für ein 100er Insulin! Eine 2 ½-fache Überdosierung wäre hier die Folge!

Kann ich mit dem Pen spritzen?

Die für die Humanmedizin verwendeten Pens und auch die neuen Caninsulin-Injektionssysteme sind für Katzen leider nicht geeignet. Man kann bei vielen Modellen nur um ganze Einheiten erhöhen - was für die Einstellung einer Katze fatal wäre (siehe: Wie schnell und oft darf die Insulindosis erhöht oder erniedrigt werden?).

Insulinspritze: Ganz feine Nadeln machen die Injektion auch für Anfänger einfach.

Das Modell für Caninsulin läßt sich sogar um 0,1 IE verstellen, gibt aber als kleinste Menge nur 0,5 IE ab. Viele Katzen benötigen jedoch eine kleinere Menge als 0,5 IE.

Auch „tröpfeln“ einige Pens noch nach, weshalb sie nach der Injektion noch ein paar Sekunden in der Haut gelassen werden sollen.

Alles in allem eine zu ungenaue und damit leider unbrauchbare Injektionsmethode für die Katze.

Da ein Pen ohnehin nur dazu dient, den Patienten bzw. deren Angehörigen die anfängliche Angst vor der Nadel zu nehmen, ist das jedoch kaum ein Verlust. Denn die Insulininjektion geschieht in jedem Falle mit sehr feinen und kurzen Nadeln und ist auch für Anfänger sofort leicht zu meistern.

Wohin muss ich meine Katze spritzen?

Spritzen Sie Ihre Katze bitte grundsätzlich nur in die Flanken, genauer gesagt zwischen Ellenbogen und Kniegelenk - mindestens jedoch 3 cm von der Wirbelsäule entfernt. Man kann die Injektionsstellen auch mit der Sattellage beim Pferd vergleichen - natürlich mit Ausnahme der Wirbelsäule.

Einige Stellen sind bei Injektionen jeder Art (also auch Infusionen, Impfungen oder sonstige Medikamente) grundsätzlich zu meiden. Das betrifft vor allen Dingen den Nacken und den Bereich zwischen den Schulterblättern. Diese Art der Injektion gilt in Fachkreisen als veraltet und gefährlich und wird deshalb seit Jahrzehnten nicht mehr empfohlen und auch an den Universitäten explizit nicht mehr so gelehrt. Trotzdem sieht man eine solche Injektionstechnik auch heute noch ziemlich oft. Die eine Hand hält das Nackenfell hoch, die andere setzt die Injektion in eben diesen Bereich :-(. Sollte Ihr Tierarzt noch in den Nacken oder zwischen die Schulterblätter spritzen, sagen Sie ihm bitte, dass Sie dies nicht länger gestatten!

Die geeignete Injektionsstelle ist grün unterlegt. Sie befindet sich zwischen dem Ellbogen- (roter Punkt) und dem Kniegelenk (blauer Punkt) mit einem Abstand von 3 cm beidseitig zur Wirbelsäule.

Diese strikte Empfehlung hat ihren Grund in einem bei Katzen vorkommenden bösartigen Bindegewebs-Krebs, Fibrosarkom genannt. Vor allen Dingen bestimmte Impfungen stehen im Verdacht, Fibrosarkome auslösen zu können. Theoretisch kann jedoch jede Injektion zu einem Fibrosarkom führen, denn diese entstehen durch minimale Entzündungen, die nach jeder Injektion folgen. Fibrosarkome können sehr schnell wachsen und bilden schon früh Metastasen in anderen Organen, bevorzugt in der Lunge. Die einzige Chance auf Lebensverlängerung (manchmal auch Heilung) besteht hier in einer großflächigen Operation, bei der der Chirurg mindestens 3 cm im Gesunden schneiden sollte. Das bedeutet, dass selbst bei einem nur 1 cm großem Tumor, ein 7 cm großes Operationsgebiet entsteht (3 cm rechts + 1 cm Tumor + 3 cm links). Auch in die Tiefe muss ein Mindestabstand gewahrt werden, der mind. zwei zusätzliche Gewebeschichten umfaßt. Bei Katzen ist derart großflächige Operation aufgrund der geringen Körpergröße oft nur schwer möglich. Bildet sich ein Fibrosarkom im Nacken oder zwischen den Schulterblättern, liegt es direkt an der Wirbelsäule. Eine ausreichend radikale Operation ist an diesen Lokalisationen nicht möglich, sonst wäre der Patient ab dem Hals querschnittsgelähmt.

Das Wissen um Fibrosarkome darf nun aber keinesfalls dazu führen, dass Sie auf die für Diabetiker lebensnotwendigen Insulininjektionen verzichten. Hier muss man den Schaden gegen den Nutzen aufrechnen. Ein Fibrosarkom entsteht, gerechnet an der Häufigkeit von Injektionen, nur äußerst selten. Ein Diabetiker, dem das Insulin vorenthalten wird, stirbt immer!

Wie sieht die Spritztechnik genau aus?

Ziehen Sie zuerst das Insulin blasenfrei(!) in der Insulinspritze auf. Bei den geringen Mengen, mit denen bei Katzen gearbeitet wird, müssen auch kleine Bläschen restlos entfernt werden. Hierzu hilft es, die Spritze ggfs. mehrmals ca. halb voll aufzuziehen und zügig wieder zu entleeren, um sie gleich darauf erneut aufzuziehen. Die Anzahl der Bläschen reduziert sich so von Mal zu Mal.

Legen Sie die Spritze anschießend niemals ohne Kappe auf den Tisch oder Boden. Die Nadel ist steril und sollte es auch bleiben.

Bilden Sie nun eine Hautfalte an der Flanke der Katze. Bei adipösen Patienten geht das unter Umständen nicht ganz so leicht. Nehmen Sie dazu die Haut zwischen Daumen und Mittelfinger. Den Zeigefinger brauchen Sie anschließend, um ihn längs in die Falte zu drücken und somit eine Art „Zelt“ zu bilden (LINK --> VIDEO)

Lassen Sie nun den Zeigefinger wieder los und setzen Sie die Spritze körpernah und parallel in die vom Finger hinterlassene Vertiefung.

Stechen Sie die Nadel schnell und ruckartig durch die Haut. Langsames, zögerliches Stechen oder Bohren ist schmerzhaft. Eine ordnungsgemäß durchgeführte Injektion wird von den meisten Katzen hingegen gar nicht wahrgenommen.

Tasten Sie zur Sicherheit noch einmal nach der Nadelspitze. Sie dürfen die Nadelspitze nicht direkt fühlen, sondern nur unter der Haut.

(Normalerweise „aspiriert“ man hier zur Sicherheit, d.h. der Spritzenkolben wird sanft zurückgezogen. Durch das Vakuum unter der Haut geht dies nur schwer oder er schnellt wieder nach vorn. Hätte man die Haut zwei Mal perforiert und die Nadelspitze befände sich wieder außerhalb des Körpers, gäbe es kein Vakuum. Das Zurückziehen des Kolbens ginge sehr leicht und Luft würde in die Spritze strömen. Bei Insulinspritzen und deren geringen Inhalt funktioniert diese Methode aber kaum. Hier ist es besser zu tasten.)

Ist die Spritze richtig platziert, drücken Sie bitte den Kolben bis zum Anschlag nach unten. Halten Sie dabei den Kolben unbedingt so lange gedrückt, bis alles Insulin injiziert ist und Sie die Nadel wieder aus der Haut entfernt haben. Nur so ist sicher, dass auch der letzte Rest, hier „Touch“ benannt, mit injiziert wird und es nicht zu ungewollten Dosisschwankungen kommt.

Was wenn ich nicht sicher bin, ob ich daneben gespritzt habe?

In einem solchen Fall spritzen Sie bitte niemals nach! Auch wenn Sie meinen, nur einen Teil injiziert zu haben - keine zweite Teil-Injektion! Denn für den Fall, dass Sie sich irren, könnte es zur Überdosierung kommen. Einen Tag zu hohe Werte sind unangenehm, aber relativ ungefährlich. Ein Tag mit zu niedrigen Werten kann im schlimmsten Falle zur Hypoglykämie und zum Tode führen! Versuchen Sie die nächste Insulinspritze wieder korrekt zu verabreichen.

Kann ich die Spritzen mehrmals verwenden?

Hierüber herrscht auch in der Humanmedizin z. T. Uneinigkeit. Einige Ärzte tolerieren das, andere sind strikt dagegen. Eines aber unterscheidet hier Human- und Tiermedizin: In der Humanmedizin hat der Mensch allein die Konsequenzen seines Handelns zu tragen. In der Tiermedizin jedoch kann sich der Patient leider nicht selbst entscheiden... trotzdem hat nur er allein im im Ernstfall die Folgen zu tragen.

Da es neben dem einzigen Vorteil der finanziellen Ersparnis nur Nachteile bei dieser Verfahrensweise gibt, raten wir unseren Kunden generell davon ab. Auch verwenden wir selbst jede Insulinspritze nur einmal. Die Gründe hierfür sind:

Siehe hierzu auch:http://www.vdbd.de/VDBD/dateienpdf/Insulinpennadeln.pdf

Warum werden keine oralen Antidiabetika (Tabletten) verwendet?

Es gibt derzeit fünf Klassen von oralen Antidiabetika für den Menschen. Letztlich zeigte nur eine Klasse zweifelhafte Erfolge bei Katzen, die Sulfonylharnstoffe. Hierzu muss die Katze aber noch über eine gewisse Anzahl von funktionstüchtigen Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse verfügen. Denn deren Insulin-Sekretion (Abgabe ins Blut) wird durch Sulfonylharnstoffe stimuliert. Meist funktioniert dies aber nur eine kurze Zeit. Denn durch die Stimulierung der Beta-Zellen kann es zu einer Überbelastung und damit zum Verlust derselben kommen.

Sind keine funktionstüchtigen Beta-Zellen mehr vorhanden oder ist deren Anzahl nicht ausreichend groß, kann keine zufriedenstellende Therapie erfolgen. Der Versuch aber kostet unnütze Zeit. Zeit, die viele diabetische Patienten nicht haben...

Weiterhin ist auch unter Sulfonylharnstoffen eine engmaschige Hometestingkontrolle dringend erforderlich, denn auch hier kann es zu tiefen Blutzuckerwerten oder gar zur Hypoglykämie kommen - ebenso wie zu Ketoazidosen, Neuropathien etc. Wer jedoch nicht spritzen möchte, wird auch vor dem Hometesten zurückschrecken. Kontrollen in wöchentlichen Intervallen beim Tierarzt sind dann unabdingbar - reichen aber z.B. bei einer Hypoglykämie kaum aus.

Alles in allem ist diese Therapie sehr unsicher für den Patienten, denn gerade beim Diabetes kommt es auf eine schnellstmögliche und möglichst vielversprechende Therapie an. Die Remissionsrate ist am höchsten bei Patienten, die möglichst früh mit einer effizienten Therapie begonnen haben.

Deshalb werden orale Antidiabetika in der Tiermedizin eher als „Notanker“ für beratungsresistente Tierhalter angesehen. Ich zitiere hierzu aus „Innere Medizin der Kleintiere“ von Nelson u. Couto vom Elsevier-Verlag:

„"(So) ...besteht der primäre Nutzen der Sulfonylharnstoffe darin, dass sie eine alternative, angenehme Option (Tabletten statt Injektion) für Tierhalter darstellen, die zunächst keine Insulininjektion vornehmen wollen und über eine Euthanasie nachdenken. Während der folgenden Wochen ändern zahlreiche dieser Tierhalter ihre Meinung und sind bereit, eine Therapie mit Insulininjektionen zu versuchen, wenn Sulfonylharnstoffe keinen Erfolg zeigen.“

Zögern Sie bitte nicht. Helfen Sie Ihrer Katze sofort mit den für sie lebensnotwendigen Insulininjektionen!