Was sind Ketonkörper und wann bilden sie sich?
Wann bilden sich verstärkt Ketonkörper?
Welche Ketonkörper gibt es?
Wie misst man Ketonkörper?
Welche Messgeräte gibt es?
Wie hoch ist ein normaler Ketonkörperwert?
Was kann ich bei erhöhten Ketonwerten (Ketose) tun?
Was ist eine Ketoazidose?
Welche Symptome treten bei einer Ketoazidose auf?
Was ist bei einer Ketoacidose zu beachten?

Wie unsere Kunden uns beurteilen lesen Sie hier.



Was sind Ketonkörper und wann bilden sie sich?

Ketonkörper sind schwache Säuren, die von der Leber ins Blut freigesetzt werden. Sie entstehen beim Diabetiker meist aufgrund eines relativen oder absoluten Insulinmangels. Von einem "relativen" Insulinmangel spricht man, wenn zu wenig Insulin produziert bzw. verabreicht wurde oder wenn das Insulin in seiner Wirkung herabgesetzt wurde. Ein "relativer" Insulinmangel muss also nicht zwingend auf einer Unterdosierung von Insulin beruhen, sondern kann auch durch eine Überdosierung mit nachfolgender Insulinresistenz und dadurch geminderter Insulinwirkung herrühren. Häufig sind auch Infektionen die zugrunde liegende Ursache. Von einem "absoluten" Insulinmangel geht man aus, wenn kein körpereigenes Insulin mehr gebildet werden kann.
Insulin ist das einzige Hormon, welches die Lipogenese und Fettspeicherung ermöglicht und das Fett in den dafür vorgesehenen Speicherzellen, den Adipozyten, hält. Liegt ein relativer oder absoluter Insulinmangel vor, kommt es zur Aufspaltung der Fette (Lipolyse von Triglyceriden und Cholesterinester) und zur Freisetzung von Fettsäuren ins Blut.
Diese Fettsäuren werden in den Mitochondrien der Leber zu Ketonkörper oxidiert. Beim Gesunden wird dieser Prozess durch Insulin gehemmt und eine übermäßige Ketonkörperbildung somit verhindert. Beim Diabetiker fehlt das dazu benötigte Insulin, so dass es hier sehr viel schneller zu über überschießenden Ketonbildung kommen kann.
Gleichzeitig werden gegenregulatorische Hormone (Glucagon, Cortisol, Adrenalin und Wachstumshormoe) aktiviert, was zu einer Hyperglykämie, Flüssigkeitsverlust und Elektrolyt-Imbalancen führen kann. Auch die über die Niere ausgeschiedenen Ketonkörper wirken osmotisch und verstärken die eben genannten Symptome zusätzlich. Es kann somit gleichzeitig auch zu einem hyperosmolaren hyperglykämischen Syndrom kommen.

Ketonkörpern bilden sich beim Diabetiker vor allem, wenn die Zellen unzureichend mit Kohlenhydraten versorgt werden.
Sie werden in der Leber gebildet, sind blutlöslich und dienen bei kataboler Stoffwechsellage den Zellen als Energiequelle, bzw. Erstz für die nicht ausreichend zugeführten Kohlenhydrate.
Beim Gesunden treten Sie vor allem in Zeiten eines Nahrungsmangels auf. Sie werden deshalb auch dem "Hungerstoffwechsel" zugerechnet.



Wann bilden sich verstärkt Ketonkörper?


Zu niedrig oder zu hoch (Stichwort Gegenregulation - das Körper verhindert die Wirkung des Insulins) gewählte Insulindosierungen, Infektionen aller Art, Entzündungen, Tumoren, die Gabe von Corticoiden (z.B. beim Test auf ein Cushing-Syndom) aber auch Stress und eine verminderte Nahrungsaufnahme können die Produktion von Ketonkörpern steigern.

Besonders wichtig ist die Überwachung der Ketonwerte daher bei:



Welche Ketonkörper gibt es?

Chemisch lassen sich Ketonkörper in drei Substanzen unterteilen: Beta-Hydroxybutyrat, Acetoacetat und Aceton. Letzteres entsteht aus Acetoacetat unter Bildung von CO2 und wird über die Lunge abgeatmet. Das erklärt den nach Nagellackentferner riechenden Atem eines Ketoazidose-Patienten. Allerdings kann dieser süßlich-chemische Geruch aufgrund eines häufig vorkommenden genetischen Defekts nicht von allen Menschen wahrgenommen werden. Und auch Menschen, die Aceton riechen können, bemerken den Geruch in der Atemluft meist erst bei relativ hohen Blutketonkonzentrationen (ca. ab 3 bis 4 mmol/l).

Wenn Sie bei Ihrer Katze einen derartigen Geruch in der ausgeatmeten Luft wahrnehmen, messen Sie bitte umgehend die Ketonkörper! Ist das nicht möglich, suchen Sie bitte umgehend einen Tierarzt auf, der Ketonkörper oder Blutgase messen kann. Bitte fragen Sie vorher nach, da diese Messmethoden nicht zur standardmäßigen Ausrüstung der meisten Kleintierpraxen gehören.
Tierärzte, die Ketonkörper ausschließlich im Urin messen können, sind für eine Ketoazidosebehandlung NICHT geeignet!

Im Blut selbst kommt hauptsächlich Beta-Hydroxybutyrat vor. Die Konzentration von Acetoacetat ist wesentlich geringer, da es spontan zu Aceton und CO2 zerfallen kann. Sinnvollerweise sollte deshalb vor allem Beta-Hydroxybutyrat bei der Messung erfasst werden, denn dieses Ergebnis ist wesentlich genauer.


Wie misst man Ketonkörper?

Ketonkörper lassen sich auf zwei Arten messen: Zum einen im Urin, zum anderen im Blut. Die Messung im Blut ist der Urinkontrolle überlegen.

Messung im Urin:

Hierfür gibt es spezielle Keton-Messstreifen, die in frischen Urin getaucht werden. Verfärbt sich der Streifen, sind Ketonkörper im Urin nachweisbar. Genaue Zahlen liefert der Ketonmessstreifen leider nicht.

Urin-Messstreifen

Da Ketonkörper nur über den Urin ausgeschieden werden, wenn sie in großen Mengen ins Blut freigesetzt wurden und bis zur Blasenfüllung bzw. Ausscheidung mehrere Stunden vergehen, ist am Urinstreifen nur ein veralteter Wert abzulesen. Er gibt die Konzentration wider, die vor Stunden(!) im Blut messbar gewesen wäre. Hinzu kommt, dass im Urin nur Acetoacetat (siehe Welche Ketonkörper gibt es?) nachgewiesen werden kann, welches nur in wesentlich schwächeren Konzentrationen vorkommt, als das viel häufigere Beta-Hydroxybutyrat im Blut.
Die Messung von Urin-Ketonen ist somit nicht nur ungenau, sondern auch sehr träge. Färbt sich der Teststreifen auch nur leicht rosarot, ist dieses deshalb schon ein starkes Warnsignal, die entsprechenden Gegenmaßnahmen einzuleiten (Siehe hierzu: Was kann ich bei erhöhten Ketonwerten tun?), denn die Konzentration im Blut kann inzwischen schon deutlich höher sein.
Zeigt ein Patient schlechtes Allgemeinbefinden und verweigert die Nahrung, lässt sich anhand der Urinketonmesstreifen zumindest feststellen, ob eine Ketoacidose vorliegt. Verhindern lässt sich diese mittels Urinkontrolle jedoch kaum, da die Streifen erst sehr spät reagieren.

Messung im Blut:

Bei der Messung im Blut wird Beta-Hydroxybutyrat nachgewiesen. Da dieser Ketonkörper in hohen Konzentrationen im Blut vorliegt, ist die Messung dementsprechend genau. Zudem gibt der Blutketonwert den aktuellen Ist-Zustand der Ketonwerte ohne zeitliche Verzögerung an. Die Messung der Blutketone ist deshalb der Unrinkontrolle weit überlegen.
Man benötigt dafür ein Ketonmessgerät, ähnlich den Blutzuckermessgeräten, welches darüber hinaus exakte Zahlen liefert. Der Tierhalter ist somit nicht auf die Interpretation verschiedener Farbtöne angewiesen. Der Messvorgang selbst ist der gleiche wie beim Homemonitoring. (Siehe hierzu: Wie geht man beim Homemonitoring vor?)

Achtung: Viele Ketonmessgeräte können auch den Blutzucker kontrollieren, je nachdem ob ein Blutzucker- oder Ketonmesstreifen eingeführt wird. Beim Kauf liegen i.d.R. jedoch nur Blutzuckermessstreifen bei. Keton-Messstreifen müssen i.d.R. zusätzlich geordert werden!

Da das Verbrauchsmaterial vergleichbar teuer ist, sind Keton-Messgeräte für die tägliche Glukosemessung nur bedingt zu empfehlen. Während der Messung, ist es zudem auch viel handlicher, mit zwei Geräten zu arbeiten: Eines für die Ketonkörper und eines für den Blutzucker. (Siehe: Welche Glukometer eignen sich für diabetische Katzen?)

Die Messung von Ketonwerten im Urin ist für eine genaue Diagnostik und schnelle Therapie zu ungenau und träge. Sie muss somit als zweitklassig und veraltet gelten und bleibt Tierhaltern vorbehalten, die bisher kein Homemonitoring durchführen können.
Sicher und quantitativ genauer ist die Erfassung der Ketonwerte aus dem Blut mit einem dafür geeigneten Gerät. Der Vorgang ist der gleiche wie beim Homemonitoring und liefert exakte Werte.
Die Messung von Ketonkörpern ist genauso wichtig wie das Erfassen des Blutzuckers! Nur so lassen sich lebensgefährliche Ketoazidosen schon im Entstehen erkennen und gezielt verhindern!


Welche Messgeräte gibt es?

Der Markt an Ketonmessgeräten ist leider häufigen Veränderungen und großen preislichen Unterschieden unterworfen. Wir beraten Sie gern im persönlichen Gespräch.


Wie hoch ist ein normaler Ketonkörperwert?

Physiologisch bei gesunden oder sehr gut eingestellten Katzen ist ein Wert von 0,0 bis 0,5 mmol/l.
Bei noch nicht optimal eingestellten Diabetikern sind Werte bis 1,0 mmol/l gefahrlos tolerierbar.
Steigt der Wert länger als 8 Stunden über 1,0 mmol/l sollten erste Gegenmaßnahmen ergriffen werden.
Werte ab 1,5 mmol/l gelten (auch in der Humanmedizin) als stark erhöht.
Gefährlich sind Werte über 2,0 mmol/l. Wobei nicht jeder Patient gleich empfindlich auf Ketonkörper reagiert - eine Ketoazidose also nicht bei einem fest definierbaren Wert eintritt. (Siehe hierzu: Was ist eine Ketoazidose?) Eine Ketoacidose ist spätestens dann anzunehmen, wenn der Patient das Futter verweigert.



Was kann ich bei erhöhten Ketonwerten (Ketose) tun?

Ketonkörper können innerhalb weniger Stunden stark ansteigen! Sie sind immer ein Warnsignal, welches bis zur lebensbedrohlichen Ketoazidose führen kann. Sie sollten deshalb niemals ignoriert werden.
Kommt es trotz aller Gegenmaßnahmen zu einer Verschlechterung der Situation bzw. ist der Tierhalter nicht in der Lage, geeigneten Gegenmaßnahmen zu ergreifen, sollte ein "ketonkundiger" Tierarzt hinzugezogen werden. Tierärzte, die Ketonkörper außschließlich im Urin messen können, sind hierzu NICHT geeignet!
Wichtig: Erhöhte Ketonwerte, egal ob schon eine Ketoacidose vorliegt oder nicht, sind kein Grund für eine Euthanaie!
Bei Unsicherheiten rufen Sie uns bitte umgehend an. Nicht immer ist ein stationärer Aufenthalt die beste Lösung. Je nach Höhe der Werte und der Verfügbarkeit bzw. dem Wissenstand bzw. Seltbstvertrauen des Tierhalters, kann eine Ketose-Therapie auch durch den Tierhalter zuhause erfolgen. Dies gilt vor allem immer dann, wenn der Patient noch selbsständig Nahrung zu sich nimmt.



Was ist eine Ketoazidose?

Bei einer Ketoazidose übersäuert das Blut aufgrund einer Überproduktion von Ketonkörpern. (Siehe Was sind Ketonkörper?) Sie dienen den Körperzellen zur Energiegewinnung, gehören der chemischen Zuordnung nach zu den Säuren und können in zu großer Anzahl den pH-Wert des Blutes verringern ("Übersäuerung = Azidose"). Da dieser pH-Wert sehr eng eingestellt ist und keine großen Veränderungen toleriert, kann eine Ketoazidose lebensgefährlich werden. Zusätzlich kann die osmotische Wirkung der Ketonkörper zum hyperosmolaren hypergkykämischen Syndrom führen.

Der Übergang von einer Ketose zur Ketoazidose ist fließend und von Patient zu Patient verschieden. Manche Katzen zeigen schon bei Werten ab 2,0  mmol/l erste Symptome, verweigern die Nahrung, erbrechen etc.pp.. Anderen Patienten merkt man auch bei Werten von über 5,0 mmol/l kaum etwas an. Dies darf aber keinesfalls über die gefährliche Situation solch hoher Ketonwerte hinwegtäuschen!
Oft ist ein süßlich-chemischer Duft nach Nagellackentferner (Aceton) in der Atemluft der Katze wahrnehmbar (Siehe hierzu: Welche Ketonkörper gibt es?)

Aufgrund des hohen medizinischen Aufwandes (siehe Wie werden Ketoazidosen behandelt?) sind stationäre Ketoazidose-Behandlungen i.d.R. sehr kostenintensiv. Je nach Schwere des Problemes und Dauer des stationären Aufenthaltes können zwischen ca. 2000,-- bis 5000,-- Euro für eine Ketoazidosebehandlung anfallen.

Lassen Sie es nicht so weit kommen!


Welche Symptome treten bei einer Ketoazidose auf?

Polyurie und Polydipsie treten bei einer Ketoazidose genauso wie beim Diabetes mellitus auf und sind, gerade bei noch nicht eingestellten Patienten, von diesem kaum zu unterscheiden.

Weiterhin kommt es oft zu einer Erniedrigung der Körpertemperatur, zu erniedrigtem Blutdruck und im Ausgleich dazu zur Tachykardie. Manche Patienten sind stark ausgetrocknet (Exsikkose) und leiden unter Muskelschwäche. Auffällig ist die sogenannte "Kussmaul-Atmung" - eine Hyperventilation mit tiefen regelmäßigen Atemzügen und der Geruch nach Aceton in der Atemluft (nicht von allen Menschen wahrnehmbar). Auch Schmerzen im oberen Bauchraum und Diarrhoe sind möglich. Man vermutet, dass Elektrolytentgleisungen hinter diesen Beschwerden stehen. Je nach Schwere der Erkrankung können auch neurologische Symptome auftreten, die über Bewusstseinsstörungen bis zum Koma reichen. Typischerweise verweigert der Patient im fortgeschrittenen Stadium jede Nahrung und wird letzlich apathisch.


Was ist bei einer Ketoacidose zu beachten?

Für die Versorgung einer Ketoazidose muss ein Tierarzt hinzugezogen werden, der sich mit dieser Materie ausreichend auskennt. Leider ist das im Vorfeld vom Tierhalter oft nicht überprüfbar... Wir beraten Sie auch hierzu gerne telefonisch.
Ob eine stationäre Aufnahme sinnvoll ist, muss individuell entschieden werden. Z.B. bei bereits apathischen Patienten ist das unumgänglich. Unkooperative Patienten, die während einer stationären Aufnahme kaum oder nur unter Sedation händelbar sind, sind dagegen in vielen Fällen zuhause besser aufgehoben, sofern der Tierhalter sich die Behandlung unter kontinuierlicher tierärztlicher Anweisung zutraut.
Der Patient muss rund um die Uhr überwacht werden. Denn die Versorung eines Ketoazidosepatienten kann nicht zum Feierabend unterbrochen und erst am nächsten Morgen beim erneuten Öffnen der Praxis wieder aufgenommen werden. Auch Tierhalter, die den ganzen Tag außer Haus sind, weil sie arbeiten müssen, sind hier leider ungeeignet.
Der Tierarzt muss entweder Ketonkörper oder Blutgase messen können. Eine Ketonkontrolle im Urinstick ist in KEINEM FALL ausreichend. Auch die wichtigsten Elektrolyte sollten vorort überprüft werden können.

In Zusammenarbeit mit Ihrem Tierarzt bieten wir auch eine telefonische Anleitung zur Behandlung bei Ketosen oder leichten Ketoazidosen an. Dabei sind wir jederzeit erreichbar und instruieren Sie rund um die Uhr. Bei unkooperativen Patienten, die zuhause durch den Tierhalter aber gut händelbar sind oder bei sehr sensiblen Katzen, denen ein Klinikaufenthalt erspart werden soll, kann dies eine sinnvolle Alternative darstellen. Sie werden in diesem Falle vor Beginn hinreichend gebrieft, so dass Sie entscheiden können, ob Sie eine stationäre Behandlung vorziehen oder sich (wenn möglich) die Behandlung zuhause zutrauen.
Ist eine stationäre Aufnahme erforderlich, bieten wir Ihnen an, diese hier durchzuführen und der Therapie vorort beizuwohnen. Gerade für sensible Katzen bingt die tägliche Nähe Ihres "Dosenöffners" eine große mentale Erleichterung. Und Sie erlernen so ganz nebenbei, wie eine zukünftigen Ketoazidose effektiv verhindert werden kann.

Selbst bei bester medizinischer Versorgung bleiben schwere Ketoazidosen lebensgefährlich. Deshalb: Bitte kontrollieren Sie die Ketonwerte Ihrer Katze regelmäßig. Lassen Sie es nicht zur Ketoazidose kommen!


Letzte Änderung 01.11.2019


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